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In den Morgenstunden des 1. April 1991 wurde der Mosambikaner Jorge Gomondai in einer Dresdner Straßenbahn Opfer eines brutalen rassistischen Angriffs. Er wurde von neonazistischen Skinheads angegriffen und am Albertplatz schließlich, bereits schwer verwundet, gezwungen aus der fahrenden Bahn zu springen. Wenige Tage später erlag er am 6. April 1991 seinen schweren Verletzungen. Rassistische Übergriffe waren jedoch keinesfalls ausschließlich ein Phänomen der 90er Jahre, sondern ziehen sich kontinuierlich durch die Jahre bis heute. Inzwischen sind bundesweit weit über 100 Menschen Todesopfer neonazistischer und rassistischer Gewalt geworden.
Termine Sonntag, 06. April 2008, 13:30 Uhr Schlossplatz - Kundgebung Gegen den rassistischen Normalzustand! Montag, 07. April 2008: 16:00 Uhr: Info Stände und Musik 18:00 Uhr: Kundgebung, Jorge-Gomondai-Platz 19:30 Uhr: Filmvorführung in der Drei-Königs Kirche
Sprechen Sie Deutsch?! Dresden - Ein Unbekannter hat in der Nacht zum Samstag in einer Straßenbahn in Dresden einen Brasilianer attackiert. Der 25-Jährige wurde dabei im Gesicht verletzt, teilte die Polizei erst am Montag mit. Ein fremdenfeindlicher Hintergrund wird geprüft. Der Student und ein Kommilitone hatten im Norden der Stadt auf die Bahn gewartet und sich auf Portugiesisch unterhalten. Ein angetrunkener Mann forderte sie später in der Bahn auf, deutsch zu sprechen. Dann griff er unvermittelt einen der Studenten an, schlug ihm mehrfach ins Gesicht und trat ihm in die Seite. Ein junger Fahrgast ging dazwischen und beendete die Attacke. (Sächsische Zeitung, 17.09.2007) In Dresden wurden in den vergangenen Jahren eine Vielzahl solcher Übergriffe in Bussen und Bahnen der Dresdner Verkehrsbetriebe bekannt. Allein 2007 waren es mindestens sechs Übergriffe gewesen. Dabei wiegt es umso schwerer, dass die Übergriffe vor den Augen einer Vielzahl passiv gebliebener anderer Fahrgäste stattfanden und sich nur in Ausnahmen Unbeteiligte einmischten. Dresden ist dabei keine Ausnahme, solche Übergriffe gehören zur Normalität in Deutschland. Nur selten erfahren diese Zustände eine breitere mediale Thematisierung, wie im Fall Mügeln. Dort jagte im August 2007 ein Mob aus ganz normalen Deutschen und einigen Neonazis acht Inder nach dem Dorffest durch die Stadt und verletzte diese schwer. Begünstigt wurden und werden diese Taten durch die schweigende Mehrheit. Es ist nicht vermessen, den passiven Zuschauern, ob beim Dorffest oder in der StraßenbahnWohlwollen und heimliche Zustimmung zu unterstellen. Gleichwohl wird nach bekannt werden rassistischer Übergriffe gebetsmühlenartig Zivilcourage, wie auch die Befürchtung um das Image der Stadt oder des Landes beschworen. Es geht dabei selten um die Motive der Täter oder die Passivität der Zuschauer, denn das hieße auch offen anzusprechen das rassistische Stereotype zum Allgemeingut in Deutschland gehören. Vielmehr werden die Vorfälle, gerade in Dresden, genutzt um weitergehende Überwachungsmaßnahmen zu legitimieren. „Die liebsten Fahrgäste der Welt“ Ob auf öffentlichen Plätzen, als auch bald flächendeckend in den Straßenbahnen wird die Videoüberwachung als Mittel zu Verfolgung und Prävention von Straftaten propagiert. Tatsächlich gelingt es den Behörden damit die TäterInnen bei den Übergriffen mittels den Videos zu identifizieren und nach ihnen zu fanden. KeinWunder das Kritik an dieser präventiven Überwachung kaum Gehör findet ist man sich doch bei Polizei, Verkehrsbetrieben, im Innenministerium und der Lokalpresse einig nur so das Problem in den Griff zu bekommen. Gern ignoriert wird dabei, dass weder eine Kameras noch sonst wer den TäterInnen in den Arm fällt. Stattdessen wird darauf gesetzt, die fehlende Zivilcourage und das damit verbundene Problem des Alltagsrassismus durch Strafverfolgung und Abschreckung zu kompensieren. Natürlich geht das so nicht auf, da Übergriffe dadurch weder verhindert werden, noch zurückgehen. Stattdessen appellieren die Dresdner Verkehrsbetriebe nunmehr an die „lieben Fahrgäste“ sich besser zu benehmen. Während zuvor noch Toleranz propagiert wurde, wird in der aktuellen Kampagne an „deutsche Tugenden“ erinnert und "Sauberkeit, Ordnung und Disziplin" eingefordert. Dabei geht es offenbar darum die latente „Blockwart“ Mentalität in der Normalbevölkerung zu mobilisieren um potentielle „Störenfriede“ zu identifizieren. Dabei wird keinWort über die Alltagsgewalt und den Rassismus in der Öffentlichkeit verloren, noch was nötig wäre um dem zu begegnen. Kampagnen dieser Art fördern also nicht eine dringend nötige Zivilcourage gegen rassistische Gewalt, sondern appellieren an die autoritäre Gemeinschaft.
Das Problem heisst Rassismus! Lieber laut in Bus und Bahn, als weggeschaut und nichts getan! |