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Thor Steinar Aktionstag in Dresden (Update 2) PDF Drucken E-Mail
Saturday, 15. December 2007
 Insgesamt über 200 Menschen beteiligten sich heute an der Kundgebung gegen den Naziladen Tønsberg in der Dresdner Innenstadt. Drei Angriffe der Nazis auf Antifas im Umfeld der Kundgebung scheiterten. Bei einer anschließenden Spontandemonstration zogen über 100 Antifas zum Naziladen "Dr. Ragman" in der Dresdner Neustadt.
 
Direkt gegenüber des Naziladens "Tønsberg" fand eine Kundgebung der Kampagne "Ladenschluss jetzt - Tønsberg dichtmachen" zum bundesweiten Aktionstag gegen "Thor Steinar" statt. Bis zu 150 Menschen verfolgten das Treiben vor dem Naziladen, der fast ausschließlich die Nazimarke verkauft. Laut einer Auflage des Ordnungsamtes, durften nur fünf KundgebungsteilnehmerInnen zum Flyerverteilen direkt vor das "Tønsberg". Wegen der Kameras des Naziladens vermummte Antifas verteilten dort tausende Flugblätter der Ladenschluss-Kampagne an PassantInnen.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite wurde vier Stunden lang mit einem Infotisch und Redebeiträgen auf die Problematik mit "Thor Steinar" hingewiesen. Gegen die Kälte wurde heißer Tee ausgegeben und der Belustigung dienten die Spiele. Beim Naziladen-Memory mussten Paare von Städtenamen und den dort befindlichen Naziläden gefunden werden. Eine Anziehpuppe mit "Thor Steinar" Unterwäsche konnte nazigerecht oder auch nicht ausgestattet werden. Für rege Beteiligung sorgte vor allem der Sprüche-Contest. Hier wurden neue Demosprüche zum Thema getextet. Gewonnen hat mit 109 dB lautem Jubel der Spruch "Scheiß auf die Thor Steinar Bande - Punkrock ist der Herr im Lande". Mit 108 dB lautem Jubel folgte "Thor Steinar Scherben - Naziläden müssen sterben".

Während dessen versammelten sich etwa zehn Nazis am Laden, gingen dort ein- und aus oder verschwanden zeitweise ganz im Laden. Beobachtet wurde dabei auch Nicole Schwackhausen aus Dresden die in Rosa und komplett vermummt Fotos von der Kundgebung machte, bis sie enttarnt wurde. Weitere Nazis wurden ebenso erkannt und benannt. Einige waren anscheinend aus Pirna angereist.
Später dann erschienen einige Naziautos am Kulturpalast und dort sammelten sich in kurzer Zeit etwa 25 "Thor Steinar"-tragende Nazihools. Innerhalb von etwa einer halben Stunde wurden im Umfeld der Kundgebung drei mal Antifas von ihnen angegriffen, konnten aber entkommen. Jedesmal wurden die Vorfälle bekannt gegeben und die Polizei informiert. Diese zog es jedoch vor, sich um die in den Auflagen bestimmten 60 dB zu kümmern, die der Lauti an der Hauswand maximal erzeugen durfte.

So kam es, dass sich die TeilnehmerInnen nach den Angriffen der Nazis um ihren Nachhauseweg sorgten. Deshalb wurde beschlossen erstmal gemeinsam in die Neustadt zu demonstrieren. Die Polizei jedoch war der Meinung, es könne sich um keine spontane Demonstration handeln, da vorbereitete Transparente dabei seien. Der Spontan-Anmelder wurde schlicht damit abgewiesen. Nachdem dies anscheinend nicht bei allen angekommen war, versuchte sich eine Demo auf der Straße zu formieren, was von der Polizei durch rüpeliges Benehmen unterbunden werden sollte. Die jungen Burschen vom Team Grün zeigten ihren ganzen Charme, Fausthiebe in den Magen von Demonstrantinnen inklusive. Nach dem die Demo eine Zeitlang auf dem Bürgersteig blieb, wurde die nächste größere Kreuzung für eine Blockade mit anschließenden Verhandlungen über die Anmeldung einer spontanten Demonstration genutzt. Die mittlerweile in Dutzenden anwesenden PolizistInnen versuchten noch immer die Antifas von der Straße zu schubsen. Dies gelang jedoch nicht und aus der Pattsituation wurde die Zusage, nach der Carolabrücke, vor der die Demo stand, die Straße nutzen zu können. So war es dann auch, und die Demo gelangte gut gelaunt und voller Dynamik in die Neustadt. Die neu gedichteten Sprüche wurden ausgiebig genutzt: "Steinarträger dumm wie Brot - heute Nazis, morgen tot!". (with credits to the scampis) oder "Ohne Tonsberg - wärt ihr alle nackt". Nun war natürlich allen klar, dass sich in der Neustadt ebenso ein Laden befindet, der noch immer, nach allen Hinweisen "Thor Steinar" verkauft: Dr. Ragman auf der Rothenburger Straße. Von der Bautzner Straße bog die Demo in diese Straße ein und sammelte sich kurz. Die Polizei, die bisher immer noch an den Transparenten gedrängelt hatte wurde zurückhaltender. Die Demo sang und hüpfte noch und zählte schließlich von Zehn immer schneller herunter. Die Polizei zog sich aus unerfindlichen Gründen zurück und die Demo rannte "Alerta Antifascista" rufend die Straße entlang. Vor dem Dr. Ragman angekommen leichte Enttäuschung, weil der Laden zu hatte, und durch vorherige Angriffe mit Rolläden versehen war. Nach ausgiebigem Aufenthalt mit der Parole "Schöner Leben ohne Naziläden" und Böllergeknalle, ging die Demo alsbald zuende.
 

Presse & Bilder


Redebeitrag zur rechten Bekleidungsmarke Thor Steinar

von der „Kampange – Keine Geschäfte mit Nazis. Der NPD den Boden entziehen!“

Thor Steinar ist eine Bekleidungsmarke der MediaTex GmbH. Vertrieben wird diese unter anderem von Neonazis und wird  meist von extremen Rechten  getragen.  Für Außenstehende erscheint diese oftmals wie ein unauffälliger Dresscode. Entschlüsselt werden kann dieser meist nur von Personen der rechten Szene.

Registriet wurde die Marke im Oktober 2002 von Axel Kopelke in Königs Wusterhausen. Die MediaTex GmbH tritt seit 2003 für die Marke Thor Steinar auf, jetzt in Zusammenarbeit mit Uwe Meusel. Axel Kopelke selbst sagte, auf die Anfrage zur seiner Haltung zum Rechtsextremismus: „Ich muss mich hier nirgendwo distanzieren“. Womit er sich selbst und vom Verfassungsschutz bestätigt eindeutig der rechten Szene zuordnet.
Die nordisch-germanischen Runensymboliken von Thor Steinar traf genau den Nerv der Naziszene und des subkulturellen Umfelds.
Das alte Logo verwendete zwei Runen aus der nordischen Mythologie die unter anderem für Kraft und Lebenskraft stehen. Untermauert wird dies durch Bilder und Symboliken, die den heidnischen Hintergrund unterstreichen sollen, meist handelt es sich um mythologische Aubbildungen aus germanischen Göttersagen.
Bei der Bekleidung kann eine deutliche Anlehnung an den Streetwearstyle festgestellt werden. Für das Desing typisch ist ebenso die martialische Aufmachung, untermauert durch Tarnmusterung und Anlehnung an Militärkleidung.
2006 wurde das alte Logo von Thor Steinar verboten. Da offensichtlich auf die Verwechslungfähigkeit der Symbole mit den verwendeten Runen in der Zeit zwischen 1933 und 1945 abgezielt wurde. Kurz nach dem Verbot in Deutschland kam es ebenfalls zu einem Verbot in der tschechischen Republik.
Die neu entworfene Rune wurde von der Staatanwaltschaft für unbedenklich erklärt. Jedoch Menschen, die öffentlich »Thor Steinar«-Kleidungsstücke mit dem alten Logo tragen, droht ein Strafverfahren wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Allein der Firmenname, so die Polizei in einem internen Bericht, sei eine unverhohlene Anspielung auf den ehemaligen SS-General Steiner. Was die ProduzentInnen der Marke selbst noch unterstüzen in dem sie den Aufdruck: „Division Thor Steinar“ auf Kleidungsstücken verwenden. Zudem steht das Wort „Thor“ steht für der germanischen Götter, dieser symbolisiert Kraft und ist einer der geführtesten Götter, was das martialische Auftreten der Marke noch weiter unterstreicht.
Zum jetzigen Zeitpunkt hat sich die Marke so weit etabliert, dass sie aus der rechten Käuferschicht ausgberochen ist und sich in unpolitischen Bereichen breit gemacht hat.
Geschäfte wie „Doorbreaker“ und der Kette „Bombastic“, vertreiben diese Marke ohne den Hintergrund zu beachten.
Vermehrt lässt sich beobachten wie immer mehr junge Menschen, diese Marke tragen und die eigentliche Symbolik und Aussage dieser Kleidung nicht kennen.
Dies zeigt wie wenig die Menschen eigentlich über diese Marke wissen und über deren menschenverachtende Propaganda, die damit betrieben wird. Es ist inakzeptabel das eine solche Marke in dem normalen Straßenbild tolleriert wird. Ist doch die imanente Präsenz von „Thor Steinar“ auf rechten Demonstrationen und Veranstaltungen nicht zu übersehen.
Daher darf „Thor Steinar“ unter keinen Umständen gesellschafts -fähig werden.
Wir fordern daher das „Thor Steinar“ Bekleidung, von den Kleiderbügeln verschwindet, aber noch viel mehr aus den Jugendklubs, Schulen und Diskotheken schlichtweg überall verschwindet.

Thoar Steinar das trägt doch keinar!

 

Nazilifestyle nicht Normalität werden lassen!

Redebeitrag der Antifa Hochschulgruppe zum Naziladen "Tonsberg"

Erst letzte Woche hat es an der Technischen Universität im Hörsaalzentrum, Zusammenstöße zwischen Nazis und StudentInnen gegeben. 40 Nazis zeigten, was Nazilifestyle ist: Sie wollten mit Gewalt eine Veranstaltung der Jungen Linken zu Rechtsextremismus verhindern. Das ist nur der aktuelle Teil einer ganzen Reihe von Nazistöraktionen bei Veranstaltungen, in denen es um Nazis geht. Seit 2005 hat sich dieses Phänomen in und um Dresden auf fast alle öffentlichen Veranstaltungen zu Nazis ausgeweitet.

Die Nazis auf diesen Aktionen tragen einen neuen "Schick". Sie sehen inzwischen aus wie Autonome oder Hardcorer. Klamotten in solchen Styles bietet ihnen "Thor Steinar". Denn "Thor Steinar" kopiert alles, was gefällt. Andere Marken kommen dazu. Z.B. aus dem Hooliganmilieu oder aus Mischszenen zwischen Hools, Nazis und Rockern.

Der Laden "Tonsberg" hier auf der anderen Strassenseite, verkauft fast ausschließlich "Thor Steinar" und das mitten in der Stadt. Dahinter steht das Konzept der Nazis, über Klamotten und Lifestyle in den gesellschaftlichen Mainstream einzudringen, das Nazi-Image aufzubessern und sich als rebellischer Teil in der Gesellschaft einzurichten, bzw. diesen den Linken streitig zu machen. Zufrieden mit dem Erfolg äußerte sich ein Nazikader auf einer Demonstration. Der Weg in den Mainstream sei eingeschlagen, bei Hip-HopperInnen ist es bereits normal "Thor Steinar" zu tragen.

Betrieben wird das "Tonsberg" nicht von den Nazis selbst, sondern von Geschäftsleuten, denen es anscheinend egal ist, womit sie ihr Geld verdienen. Betreiber ist die "Blond Textilvertriebs GmbH" von Matthias und Waltraud Preisler aus Ottendorf-Okrilla bzw. Dresden. Die Belieferung erfolgt direkt durch "Thor Steinar". Doch den BetreiberInnen kann es nicht egal sein: Wer die kompletten aktuellen Kollektionen von "Thor Steinar" kennt und nicht ablehnt, stellt sich definitiv in eine Ecke mit Nazis.

Vermietet wurde der Laden durch die Linde-KCA-Dresden GmbH.

Seit über einem Jahr gibt es den Laden schon, jetzt gilt es, die Kündigung vorzubereiten!

Tonsberg weg - Nazidreck!

 

Redebeitrag der Autonomen Antifa Witten

Husemannplatz (Autonome Antifa Witten)

Auch wenn es vielen der hier versammelten Menschen mittlerweile als abgelutschtes Themenfeld erscheinen mag, wollen wir, die Autonome Antifa Witten, in diesem Redebeitrag zur Demo gegen das Nazibekleidungsgeschäft „Goaliat“ noch mal das Phänomen des neuen optischen Erscheinungsbildes der rechten Szene beleuchten. Dabei soll kurz und knapp der praktische Nutzen den der braune Mob aus der Verschleierung seiner Inhalte durch seriöseres Outfit oder auch die Übernahme von eher linken Dresscodes zieht beleuchtet werden. Aber auch mögliche Gegenmaßnahmen sollen kurz zur Sprache kommen.

Seit einiger Zeit wird in den Medien wenn über den erstarkenden Rechtsextremismus berichtet wird ein besonderes Augenmerk auf das scheinbar neue Thema „der Nazis neues Kleider“ gelegt. Dabei ist dieses so alt wie auch die Nazis selbst. Große Teile der Symbol und Bilderwelt des Nationalsozialismus sind von ihm aus anderen Kontexten geraubt und nach und nach umgedeutet worden bis ihr ursprünglicher Sinn verloren war und sie nur noch als Erkennungsmerkmal für die AnhängerInnen ihrer verbrecherischen Ideologie herhalten mussten. Dies gilt für Germanischen Runen, wie für die Umdichtung Kommunistischen Liedgutes, sowie auch für die Verwendung des Hakenkreuzes. Auch die zum Teil erfolgreiche Übernahme der ursprünglich antirassistischen Skinheadkultur ende der 70. Jahre des letzten Jahrhunderts, bzw. der Raub der Skinmode, die heute in breiten Teilen der Öffentlichkeit als Ausdruck des Nazitums schlecht hin gilt, ist ein Beleg für die These, dass dies alles kein neues Phänomen ist.

Das Ziel einer solchen Verschleierung ist faschistische Positionen salonfähig zu machen, die durch ihre modernisierte Bildsprache nicht mehr erkannt werden und so immer mehr zur Normalität werden können. Dies gilt für die bunthaarige Nazifrau genau so wie für die sportlich und modisch wirkende Nazimode von „Thor-Steinar“.
In beiden Fällen täuscht die Verpackung über den hässlichen Inhalt hinweg.

Das die Einflussnahme von rechten in anderen Szenen zum Teil funktioniert, sollte uns allen klar machen, dass wir als Linke uns in der Vergangenheit zu sehr auf die Wirkungskraft rebellischer Codes und Styles verlassen haben, ohne diese aber mit konkreten Inhalten zu füllen. Subkulturen sind erstmal nur Szenen, die sich über Mode , Musik und Lifestyle definieren und keineswegs resistent gegen faschistoide Tendenzen auch wenn sie noch so unkompatibel erscheinen. Eine Zurückdrängung solcher Einflüsse kann also nur aus den inneren der Szenen kommen, also z.B. von „Antifapunks“ die sich ihre Szene nicht von „Midgards Söner“ kaputt machen lassen wollen, oder von Hip- HopperInnen, die „Fler“ und Konsorten den gestreckten Mittelfinger entgegenstrecken. Denn ein aufmerksam machen oder Eingreifen von außen wird meistens als Störung von paranoiden und nicht- eingeweihten empfunden.

Im Fall von Thor Steinar zeigt sich zum einen das, die rechte Szene zum Teil im Mainstream angekommen zu sein scheint und keine vermeintliche Rebellenpose mehr braucht. Zum anderen können wir aber anhand des versuchten Biedermannimages welches die Marke T.S. selbst und auch besonders Goaliatinhaber Thorsten Kellerhoff zu vermitteln versucht noch etwas anderes erkennen:
Das Zusammenspiel von staatlicher Ächtung des Nazismus durch Politiker, die um Deutschlands Ansehen in der Welt fürchten und Antifaschistische Interventionen in den letzten Jahren, haben dazu geführt, dass sich viele Arbeitgeber oder Vermieter nicht an diesen heißen Eisen die Finger verbrennen wollen.
So trauen sich viele NationalistInnen nicht mehr offen ihre Gesinnung zu zeigen um nicht im gesellschaftlichen Abseits zu stehen.
Thor Steinar bietet den oben genannten die Möglichkeit sich ihres gleichen als Kamerad und Kameradin zu präsentieren, ohne am Arbeitsplatz oder im Sportverein anzuecken.

Diese Rechnung kann aber nur aufgehen, wenn WIR tatenlos zusehen.
Wir sind uns sicher, dass ohne Aufklärung der „Bevölkerung“, wie z.B. durch diese Demo hier, so mancher Ahnungslose Sportler Kellerhof und T.S. das Geld in den Rachen geworfen hätte.

In diesem Sinne:
Nazis bleiben Nazis, egal ob sie im Braunhemd, Che-shirt oder Thor-Steinar daherkommen !
Verteidigt eure Subkulturen und werdet nicht müde Aufklärung zu betreiben…es lohnt sich !

Kein Fußbreit dem Faschismus!

 

Bilder der Spontandemo
 
 Polizei hält DemonstrantInnen vor der Synagoge auf.
 
 Alle TeilnehmerInnen werden abgefilmt. In jüngsten Vorfällen bekamen Nazis das Material und sammelten es in einer Anti-Antifa Akte .
 

 
 
 
 
Poldi ist wie immer dabei!
 
 
 
 
Ein Laden in der Dresdner Neustadt der ebenfalls Thor Steinar im Sortiment hat.
 
 

 
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