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Nazis greifen Univeranstaltung an (Update 2) PDF Drucken E-Mail
Wednesday, 5. December 2007
 Am Mittwoch, den 5. Dezember 2007 fand an der TU Dresden eine Veranstaltung der "Jungen Linken" mit Oberstaatsanwalt Jürgen Schär statt. Das Thema war "Rechtsextremismus. Was bringt die Rechtsverfolgung?" Insgesamt 50 Nazis aus dem Spektrum der "Freien Kräfte" bzw. der JN (Jugendorganisation der NPD) wollten mit dabei sein. Die zuletzt massiv vertretene Polizei konnte nicht verhindern, dass die Veranstaltung gestört und AntifaschistInnen angegriffen wurden. Zuvor hatten die Nazis versucht, den Veranstaltungsraum zu besetzen.

Presse

 19.00 Uhr sollte die Veranstaltung mit Jürgen Schär beginnen, der als Staatsanwalt u.a. an den SSS-Prozessen beteiligt war. Die VeranstalterInnen Rosa-Luxemburg-Stiftung" und "Junge Linke" hatten Zettel angebracht, dass NPD-Symphatisanten nicht erwünscht sind.
18.30 Uhr sammelte sich Jens Baur - NPD-Kreisvorsitzender - mit seinen "KameradInnen" vor dem Hörsaalzentrum der Technischen Universität Dresden. Wenig später drangen 30 Nazis an den VeranstalterInnen vorbei in den Raum im Erdgeschoss ein, und warfen dabei mit Schnippseln um sich, auf denen sie sich als "Nationale Sozialisten" bezeichneten. Erst nach Verhandlungen mit der Polizei kamen sie wieder heraus.

Die Veranstaltung begann, Schär begann seinen Vortrag und kommentierte auch das Auftreten der Nazis und da waren sie wieder. Sie zogen in Form einer Spontandemonstration an den Fenstern der Veranstaltung im Erdgeschoss vorbei und blieben für eine Art Kundgebung stehen. Ronny Thomas bemühte sich dabei am Megafon um launige Bemerkungen zur Situation. Maik Müller und viele weitere bekannte Nazigesichter, z.B. die Störer vom Bürgerfest im Oktober in Pieschen waren zu sehen. Nachdem der Sichtschutz heruntergelassen war, begannen sie an den Fenstern zu trommeln und mit Megafonsirene und Sprechchören Lärm zu machen. Sie forderten Einlass und begaben sich anschließend auch zum Hintereingang, um in das Hörsaalzentrum zu gelangen. Im Zuge dessen griffen Nazis auch mehrere Schaulustige an. Dabei wurde eine junge Studentin ins Gesicht geschlagen und leicht verletzt. Sie erstattete Anzeige. Die Polizei ging dazwischen und schickte die ganze Gruppe Nazis weg.

Als Letztes kam der unvermeidliche Sven Hagendorf, seines Zeichens ehemaliger Nazikader. Auch ihm wurde der Einlass durch AntifaschistInnen verwehrt, die Polizei nahm ihn schließlich mit (siehe Foto).

 

Pressemitteilung der Antifaschistischen Hochschulgruppe Dresden (AHSG DD)

 Gewalttätige Neonazi-Störaktion an der TU Dresden
Pressemitteilung der Antifaschistischen Hochschulgruppe Dresden

Die Linke Hochschulgruppe Dresden veranstaltete heute, am 05.12.2007, eine Diskussionsrunde im Hörsaalzentrum der TU Dresden mit Oberstaatsanwalt Jürgen Schär zum Thema „Rechtsextremismus. Was bringt die Rechtsverfolgung?“

Bereits 10 Minuten nach dem Beginn der Veranstaltung marschierten circa 40 Neonazis der Dresdner NPD und der freien Kameradschaftsszene mit Transparenten und Megaphon vor dem Hörsaalzentrum auf. Unter ihnen waren der NPD-Kreisvorsitzende Jens Baur und der vorbestrafte rechte Gewalttäter Ronny Thomas. Nachdem die Veranstalter die Jalousien des Vortragsraumes herunter ließen, schlugen und traten die Störer gegen eben diese.

Eine junge Frau, die scheinbar ihren Unmut über die Störaktion der Neonazis äußern wollte, wurde ins Gesicht geschlagen. Sie erstatte Anzeige. Erst nach dem Eintreffen eines größeren Aufgebots der Polizei konnte die Situation entschärft werden.

Bereits im Juni 2006 kam es zu einem Störversuch von Neonazis des Nationalen Jugendbündnis Dresden (jetzt JN Dresden) um Jens Baur bei einer Veranstaltung des Studentenrates der TU Dresden (SäZ berichtete).

Die Sprecherin der Antifaschistischen Hochschulgruppe Dresden, Susanne Lange sagte zu dem Vorfall: „Immer wieder versuchen Neonazis Veranstaltungen, in denen sie selbst zum Thema werden, zu stören oder zu verhindern. Damit sollen ihre politischen GegnerInnen eingeschüchtert werden. Dieser Zustand ist für uns absolut nicht hinnehmbar. Den Neonazis muss auf allen gesellschaftlichen Ebenen entschlossen entgegen getreten werden!“

 
Presseartikel

Vortrag in Uni gestört
Von Alexander Schneider

Die linke Hochschulgruppe der TU Dresden hat gestern Abend einen Vortrag mit Oberstaatsanwalt Jürgen Schär im Hörsaalzentrum veranstaltet. Doch noch ehe Schär – in seiner Abteilung werden politisch motivierte Straftaten verfolgt – da war, hatten sich schon 30 Rechtsextreme im Saal breitgemacht. Mit ihrem dominanten Auftreten versuchten sie, den Vortrag zu stören und Gäste zu verunsichern.

Erst der Polizei gelang es, das Hausrecht durchzusetzen und die Störer aus dem Gebäude zu verweisen. Danach demonstrierten die Rechten und marschierten lautstark um das Haus – begleitet von der Polizei. „Dabei trommelten sie an die Hörsaal-Fenster“, sagte Polizeiführer Roland Anders. Von verbalen Auseinandersetzungen abgesehen, sei es zu keinen weiteren Übergriffen gekommen. Da sich die Rechtsextremen weiter im Umfeld aufgehalten hatten, mussten die etwa 50 Beamten das Haus schützen.

„Die Nazis haben gezielt Leute mit Namen angesprochen und wollten sie provozieren. Doch das ist ihnen nicht gelungen“, sagte die Linkspartei-Bundestagsabgeordnete Katja Kipping am späten Abend. Sie war als Besucherin dabei.

 SZ, 06.12.2007

Rechtsextreme stören Veranstaltung an Universität Dresden

Dresden. Mehrere Dutzend Rechtsextreme sind am Mittwoch bei einer linken Veranstaltung über „Rechtsextremismus“ an der Technischen Universität Dresden aufmarschiert. Es sei zu Rangeleien gekommen, verletzt wurde jedoch niemand, berichtete die Polizei am Donnerstag. Die mehr als 20 Rechtsextremen hätten sich vor dem Hörsaal, in dem die Diskussionsrunde „Rechtsextremismus - was bringt die Rechtsverfolgung?“ stattfand, positioniert. Nachdem die Veranstalter - eine linke Hochschulgruppe - sich nicht zu helfen wussten, hätten sie die Polizei gerufen, die mit etwa 50 Mann anrückte und die Aufmarschierten von weiterer Randale abhielt.
Die Antifaschistische Hochschulgruppe Dresden teilte mit, etwa 40 Neonazis seien zehn Minuten nach Beginn der Veranstaltung mit Transparenten und Megafonen aufgetaucht. Eine junge Frau, die über die Störaktion ihren Unmut geäußert habe, sei ins Gesicht geschlagen worden. Es sei nicht der erste Zwischenfall dieser Art. Die Sprecherin der Hochschulgruppe, Susanne Lange, sagte laut Mitteilung:
„Immer wieder versuchen Neonazis, Veranstaltungen, in denen sie selbst zum Thema werden, zu stören oder zu verhindern. Damit sollen ihre politischen Gegner eingeschüchtert werden.“

DNN, 06.12.2007

Studentin von Rechtsextremisten niedergeschlagen
Von Alexander Schneider

Die TU Dresden hat die Störaktion von Neonazis gestern scharf verurteilt. Die Polizei fahndet nach einem braunen Schläger.

Eine Studentin wurde am Mittwochabend von einem Rechtsextremisten ins Gesicht geschlagen. Die 22-Jährige hatte eine Nazi-Demo vor dem Hörsaalzentrum der TU Dresden an der Bergstraße beobachtet. Als sie die braunen Umtriebe fotografierte, kam es zu einem Streit, in dessen Folge sie von einem Rechtsextremisten geschlagen wurde. „Wenn zum Glück nicht einer dazwischengegangen wäre, hätte der mich noch schlimmer verletzt.“ Der Studentin wurde übel. Sie erlitt eine Schädelprellung, musste zum Arzt. „Ich habe den Angriff angezeigt und der Polizei den Täter gezeigt“, sagte sie. Doch die Beamten hätten den Mann nicht gestellt. „Wir haben Aufnahmen gemacht und werden den Täter ermitteln“, sagte eine Polizeisprecherin dazu gestern.

Versuchte Provokation

Etwa 40Rechtsextremisten hatten laut Polizei zunächst einen Vortrag in der TU Dresden massiv gestört (die SZ berichtete). Schon vor Beginn hatten sie sich im Hörsaal breitgemacht. „Manche drängten sich mit Gewalt an Ordnern vorbei“, sagte Mitveranstalterin Kristin Hofman von der Hochschulgruppe der Linkspartei. „Wir wollten keine Nazis dabeihaben.“

Die ungebetenen Gäste waren gut vorbereitet: Sie hatten Transparente, Fotoapparate und Megafon dabei. Offenbar wollten sie Teilnehmer verunsichern und den Abend platzen lassen. Erst als die Polizei das Hausrecht durchgesetzt hatte, konnte Oberstaatsanwalt Jürgen Schär, Leiter der Staatsschutzabteilung, seinen Vortrag halten. Auf Einladung der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Hochschulgruppe berichtete er über die Strafverfolgung von Rechtsextremisten.

Unterdessen veranstalteten die Neonazis, darunter NPD-Aktivisten wie der Landtagsabgeordnete René Despang und verurteilte Straftäter, eine lautstarke Spontan-Demo vor dem Hörsaalzentrum. Sie trommelten an Scheiben und Rollos, um den Vortrag weiter zu stören.

50 Beamte waren im Einsatz

Die Polizei, im Einsatz waren nun 50 Beamte, beendete die Aktion. Es kam zu keinen Störungen. Die Beamten haben jedoch den früheren NPD-Kreisvorsitzenden Sven H. (36) abgeführt. Er verbrachte mehrere Stunden im Gewahrsam, weil er der Aufforderung, die Uni zu verlassen, nicht nachgekommen war.

TU-Rektor Hermann Kokenge sagte: „Ich bin empört, dass diese Veranstaltung auf dem Campus von Neonazis gestört wurde. Selbstverständlich werden wir auch künftig solche Veranstaltungen durchführen und keinesfalls rechten Akteuren das Feld überlassen.“

SZ, 07.12.2007


Dresden Deine Nazis
von Peter Neitzsch

Letzte Woche war es mal wieder soweit. Rund 30 Nazis störten eine Veranstaltung zum Thema Rechtsextremismus. Nicht irgendwo, sondern im Hörsaalzentrum der TU. Man braucht nicht erst nach Mügeln schauen, ein Blick vor die Haustür reicht: 2007 gab es ein halbes Dutzend Fälle, bei denen ausländische Studierende und Dozenten der TU Dresden in Bussen und Bahnen der DVB angepöbelt und geschlagen wurden. Im Sommer tauchte an der Fußgängerbrücke Bergstraße ein Graffito des Nazis Horst Wessel auf und wurde eilig entfernt. Bloß keine schlechte PR für den Standort Dresden ist die Devise des Rektorats der TU. Statt laut und mutig in der Öffentlichkeit zu sagen, warum gerade ein Universität auf Ausländer angewiesen ist und warum Nazis im Landtag schädlich sind für Sachsen.

Ich selbst hatte es bisher nur einmal mit dem Gesindel zu tun: Ein paar angetrunkene, "Heil Hitler" gröende Zeitgenossen fragten mich in Gorbitz, ob ich ein paar aufs Maul wolle. Wollte ich nicht. Eigentlich wollte ich bloß von einer Party nach Hause. Was tun? Obwohl kein Fußballfan, gelang es mir die rechte Runde in eine Diskussion über Dynamo Dresden zu verwickeln und die Mütchen zu kühlen. Gegen Fußball sieht das Vaterland eben alt aus und Dynamo war schon wer, als bei Holger Apfel nur die Windeln braun waren. Zum Glück war es der richtige Fußballverein und ich kein Türke oder Afrikaner oder irgendwie auffällig "links" gekleidet. Dann wäre Schluss mit lustig gewesen bei Typen, deren geistiger Horizont der Abstand zwischen Brett und Glatzkopf ist. Nicht jeder kann sich frei bewegen in Dresden. Und die Scheiß-Nazis werden frecher. Jest also schon auf dem Campus.

Die Freakshow der NPD-Landtagsfraktion macht zwar nur Schlagzeilen mit Kinderpornos, veruntreuten Geldern und ins Parlament geschmuggelten Waffen, dennoch könnte sie den Wiedereinzug in den Landtag schaffen. Das lässt sich nicht mehr mit Hartz-IV-Protestwahl abtun, das sind verfestigte faschistische Strukturen. Wir müssen alle mehr gegen das Pack machen! Und wenn die Braunen wieder angewinselt kommen und fragen, ob das unser Verständnis von Demokratie ist, dass sie ihre (menschenverachtende) Meinung nicht mehr äußern dürfen, dann müssen wir sagen: Allerdings!

CAZ, Ausgabe 54 , 2007

 
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