„Wir befürchten Zoff in der Gegend“ PDF Drucken E-Mail
Sunday, 10. April 2005

Politik. Die Umzugspläne der NPD, ihre Zentrale in den Lockwitzgrund in Dresden zu verlegen, beunruhigt Anwohner.

Idyllisch liegen die zumeist kleinen Wohnhäuser im Lockwitzgrund. Ihre Bewohner diskutierten gestern heftig über die Absicht der NPD, die ihre Landesgeschäftsstelle von Leipzig nach Dresden verlegen will. Die SZ hatte darüber berichtet.

Offensichtlich wird gerade das Fachwerkhaus mit der Nummer 62 im Lockwitzgrund für die künftigen Büros vorbereitet. Das Gebäude wirkt verlassen: Im Erdgeschoss und in der ersten Etage sind Rollos an den Fenstern heruntergezogen. Einige Briefkästen sind zugeklebt. „Aber wir haben uns schon gewundert, warum plötzlich ein Briefkasten mit der Aufschrift Wahlkreisbüro bei uns angebracht wurde“, sagt ein junger Mann im Hinterhaus. „Toll“ finde er das Ganze bestimmt nicht. Es sei zu befürchten, dass es dadurch zu Zoff in der Gegend kommt. „Ich ziehe hier sowieso aus“, sagt Ina Weisbrod. Aber es sei schon irgendwie unheimlich. „Ich glaube, die meisten – und da schließe ich mich ein – wissen nicht, wie sie mit den Leuten umgehen sollen“, sagt sie. „Ich finde es einfach schlecht, wenn die NPD kommt“, so ein Mann einige Häuser weiter. Aber mehr wolle er genauso wenig wie seinen Namen sagen.

Christian Stein und seine Frau kommen gerade vom Wochenendeinkauf zurück. „Die Nachricht ging heute wie ein Lauffeuer rum“, sagt Stein. Dass die NPD kommen will, störe ihn heftig. „Aber sicher wollen die so dichter bei ihren Anhängern in der Sächsischen Schweiz sein“, vermutet er. Seine Frau sagt: „Wir werden doch nie gefragt.“ Das sei auch so bei der Brücke gewesen, die einfach vor ihrem Haus gebaut werde. Handwerker Kolja Homscheck sieht eine Ursachen für das Anwachsen der NPD in der Politik: „SPD und CDU sind selbst schuld. Handwerker werden durch die Ein-Euro-Jobs verschaukelt. Ich kriege auch nur noch Aufträge, wenn ich mich unter dem Preis anbiete“, sagt er. (SZ/kle)

Sächsische Zeitung, 9. April 2005
 

 
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