Rechtsextremer Coup im Lockwitzgrund PDF Drucken E-Mail
Saturday, 9. April 2005

Dresden. NPD-Fraktionschef Holger Apfel baut seine Machtstellung an der Elbe weiter aus. In Kürze werde die NPD ihre Landeszentrale von Leipzig nach Dresden verlegen, bestätigte Parteisprecher Matthias Paul gestern auf Anfrage.

Dazu haben die Rechtsextremen bereits einen sanierten Altbau im Lockwitzgrund 62 komplett gemietet, die ersten Büromöbel sind angeliefert. Neben der Landesgeschäftsstelle soll im Südosten der Landeshauptstadt auch die Zentrale der NPD-Jugendorganisation JN, die Kreisgeschäftsstelle Dresden sowie die Büros von drei Landtagsabgeordneten untergebracht werden.

Dies geschieht nicht zuletzt aus finanziellen Gründen. Denn jeder Abgeordnete erhält eine Pauschale für Büro- und Wahlkreiskosten in Höhe von rund 1100 Euro im Monat - aus Steuermitteln. Neben Apfel und dem Abgeordneten Alexander Delle wird auch Paul im idyllischen Lockwitzgrund sein Abgeordnetenbüro aufmachen.

In NPD-Kreisen wird diese Machtkonzentration mit Sorge beobachtet. Die Gruppe um Apfel bestehe aus "Marionetten und Ja-Sagern", meinte ein führendes NPD-Mitglied gestern. Ein anderer sagte trocken: "Das nimmt kein gutes Ende." Grund: Mit dem Polit-Coup im Lockwitzgrund formiert sich der radikale Flügel rund um den West- Import Apfel als das eigentliche Machtzentrum der NPD in Sachsen und letztlich wohl auch als Konkurrenz zur Bundesparteizentrale in Berlin.

Gleichzeitig geht damit die schleichende Entmachtung der älteren NPD-Politiker aus dem Osten weiter. Dazu gehört neben Landeschef Winfried Petzold auch der Leipziger Abgeordnete Jürgen Schön. Vor allem Letzterer ist von dem Umzug direkt betroffen. Früher befand sich die NPD-Landeszentrale in der Georg-Schumann-Straße in Leipzig, Schön firmierte als Ansprechpartner.

Zuletzt drohte die NPD-interne Ost/West-Kontroverse auf dem Landesparteitag Anfang März in Wiesa bei Annaberg zu eskalieren. Nicht weniger als acht Kreisverbände hätten sich im Vorfeld des Konvents in Freiberg getroffen, hieß es aus NPD-Kreisen. Ziel sei gewesen, eine "eigene Ostliste" für die Vorstandswahlen vorzulegen, "gegen das Machtstreben der zugereisten Karrieristen". Der Vorstoß scheiterte. Grund unter anderem: Als die forsche Neu-Fraktion von der Initiative Wind bekommen habe, hätten die abtrünnigen Kreisverbände Besuch von NPD-Spitzen bekommen - auch von Apfel. Nach dieser "Einzelbetreuung" seien einige umgefallen.

Jürgen Kochinke

DNN, 8. April 2005 

 
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